Die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Partenkirchen

Nach der Zerstörung des barocken Vorgängerbaus durch eine Brandkatastrophe wude die Kirche 1868-1871 nach den Plänen des Münchner Architekten Matthias Berger im neugotischen Stil neu errichtet. Nachdem sich einige Rippenversatzstücke gelockert hatten, wurden im Dezember 2002 erste Notsicherungen durchgeführt. Die historische Ausstattung wurde im Rahmen der liturgischen Neugestaltung restauriert und mit modernen Elementen ergänzt.


Die Pfarrkirche St. Maria Himmelfahrt liegt im Zentrum Partenkirchens etwas oberhalb des Straßenniveaus und überragt die umgebende Bebauung. Das Baumaterial der abgebrochenen Kirche wurde zum Teil wiederverwendet.

Das Langhaus gliedert sich in drei Schiffe und drei Joche, die mit Kuppeln im Mittelschiff über nahezu quadratischem, in den Seitenschiffen über länglichem Grundriss überwölbt sind. Die Gewölbe lasten auf vier Stützpfeilern im Mittelschiff und auf Kämpfern an den Außenwänden. Der eingezogene Chor im Nordosten ist mit einem Sterngewölbe überspannt. Der Turm im Südwesten hat zunächst einen quadratischen und ab Traufhöhe einen oktogonalen Grundriss.

Die Pfarrkirche wurde 1880/81 nach den Plänen des Dekorationsmalers Gg. Roder aus München unter Einweisung der Mayr´schen Kunstanstalt ausgemalt. Hierbei handelt es sich um die erste dekorative Ausmalung der Kirche.

Die Flügelaltäre mit reichem Gesprenge, Reliefs und Goldgrundgemälden wurden 1870 nach den Zeichnungen des Herrn Baumeisters und des Architekten Berger durch den Schreinermeister und Bildhauer Johann Kraus gefertigt. Im Zuge der zahlreichen Restaurierungen waren die Altäre umgestaltet und zum Teil stark verändert worden.

Nachdem sich durch statische Probleme einige Rippenversatzstücke derart gelockert hatten, dass bereits kleinere Putzbrocken herunterstürzten, wurden im Dezember 2002 und Dezember 2004 Notsicherungen von einem Hubsteiger aus durchgeführt.

In den Jahren 2003/04 wurde als erster Bauabschnitt zur Inneninstandsetzung eine neue Warmluftheizung eingebaut. Gleichzeitig wurden restauratorische Befundungen an der Raumschale und Quellenforschung durchgeführt.

Im zweiten Bauabschnitt 2006 wurden die lokal geschädigten Konstruktionshölzer des Dachtragwerks erneuert oder form- und kraftschlüssig repariert. Die Reparaturen erfolgten querschnittsgleich über mittig in die Balken eingeschlitzte Stahlbleche und Stabdübel. Offene oder geschädigte Holzverbindungen wurden überarbeitet und der in der süd-östlichen Kehle festgestellte Schwammbefall bekämpft. Zur Aufnahme der Windlasten wurde die Dachkonstruktion durch den Einbau einer statisch-wirksamen Scheibe auf den seitlichen Feldern der Zerrbalkenebene des Dachwerks ausgesteift. Für die Lasteinleitung in das aufgehende Mauerwerk wurde die Mauerlatte des Dachwerks mit den Giebeln zusätzlich vernadelt.

Zur Aufnahme des Gewölbeschubs wurde die vorhandene Überfangung der beiden mittleren Gewölbeachsen über die Seitenschiffe hinaus ergänzt. Die Ergänzung ist als separate Stahlprofilträger- Rahmenkonstruktion mit geneigten Zugankern, die in die Außenwände einbinden, ausgebildet. Die Lasteinleitung erfolgt auf der Höhe der Gewölbekämpfer mit im Mauerwerk eingesetzten Ankerplatten.

Durch die Reparatur des Dachtragwerks, den Einbau der Gewölbeüberfangung und der Zerrbalkenscheibe werden die Verformungen und Rissbilder im Gewölbe und aufgehendem Mauerwerk vergleichmäßigt.

Das Kernstück der Maßnahme wurde der Bauabschnitt 3 (2006-2009). Nach intensiven restauratorischen Voruntersuchungen konnte die Raumschale in größtmöglicher Annäherung an die Fassung des späten 19. Jahrhunderts neu gefasst werden. Hierfür wurde nur die letzte Fassung von 1970 abgenommen und alle relevanten Befunde dokumentiert. Eine wesentliche Hilfe waren historische Fotoplatten, die ausreichende Aussagen zur Detaillierung der ornamentalen Gestaltung der Raumschale zuließen. Pigmentanalysen halfen bei der Bestimmung der originalen Farbigkeit. Es wurde entschieden, die Rekonstruktion der neugotische Fassung, wie die historische Originalfassung, in Leimfarbtechnik (Leimfarbe mit Öl emulgiert) auszuführen, damit der Charakter und die Erscheinung der Oberfläche der des 19. Jahrhunderts entspricht.

Nach der Neufassung der Raumschale zeigte sich, dass die Fassung der Ausstattung dem Raumeindruck nicht gerecht wurde. Die Farbigkeit der Ausstattung und der Raumschale war nur ähnlich, aber nicht harmonisch. Die Anpassung der Fassung der Ausstattung an die Raumschale wurde notwendig und erfolgte 2009 im vierten Bauabschnitt.

Das ursprüngliche Hochaltarblatt von Ludwig Blaim, München (“Hl. Maria mit einer Glorie von Engeln umgeben, 7´hoch un 5 1/2´breit”), das im Heimatmuseum aufbewahrt wurde, wurde wieder eingestellt.

Die neugotischen Figuren wurden konserviert/restauriert und zum Teil neu platziert. Die Terrakottatafeln der Kreuzwegstationen wurden nach historischem Vorbild farbig gefasst und mit den restaurierten originalen Holzrahmen aufgehängt.

Zur liturgischen Neuordnung wurde von der Bau- und Kunstkomission des Erzbischöflichen Ordinariats ein Künstlerwettbewerb ausgelobt. Als Ergebnis wurde das Künstlerehepaar Stegmayer mit der Erstellung von Altar, Ambo, Sedilien und Kerzennische beauftragt.

Ein Raum neben dem Chor wurde als Beichtzimmer neu ausgebildet. Die Einrichtung mit Schiebe- und Drehelementen zur Raumgliederung ermöglicht die Ohrenbeichte und das Beichtgespräch.

Folgende Arbeiten erfolgten noch während des dritten und vierten Bauabschnitts noch im Innenraum:

  • Einrahmung des Hochaltar-Sockelbereichs mittels gewebtem Vorhang
  • Umbau und Neufassung des Langhausgestühls von 1971
  • Restaurierung, Ergänzung des bauzeitlichen Chorgestühls
  • Restaurierung und Wiedereinhängen der neugotischen
    “Ewig-Licht-Ampel”
  • Erstellung und Ausführung eines neuen Licht- und Akustikkonzeptes
  • Einbau von neuen Türen nach historischem Vorbild
  • Fertigung von neuen Holzständern zur Buchablage im Eingangsbereich
  • Farbliches Einstimmen der gesamten hölzernen Ausstattung
  • Ausbildung einer neuen Stufenanlage zum Chor
  • Neugestaltung der Opferkerzennische im Eingangsbereich
  • Aufstellen von beweglichen Liedanzeigetafeln
  • Schreinermäßige und malerische Überarbeitung der Eingangstür-West

Beteiligte:

  • Bauherr: Pfarramt Maria Himmelfahrt Partenkirchen
  • Maßnahmenträger: Erzbischöfliches Ordinariat München
  • Objektplanung: Büro Bergmann GmbH, Pfaffenhofen
  • Tragwerksplanung: Büro Bergmann GmbH, Pfaffenhofen
  • Denkmalpflege: Landesamt für Denkmalpflege: Herr Dr. Könner
  • Planung Elektro, Licht, Akustik: Ingenieurbüro Bamberger, Pfünz

Das Büro Bergmann führte folgende Leistungen aus:

  • Geodätisches Aufmaß
  • Bestandserfassung und Untersuchungen zu Schadensursachen
  • Objektplanung
  • Tragwerksplanung
Foto: Achim Bunz
Vorzustand, Foto: Achim Bunz
Foto: Achim Bunz
Foto: Achim Bunz