Das Lagerhaus des Fagus-Werks in Alfeld/Leine

Das Lagerhaus entstand in zwei Bauphasen in den Jahren 1911 (Altbau) und 1914 (Neubau) als Trockengebäude für Schuhleisten. Über einem aus Ziegeln gemauerten Kellergeschoß mit zwei Pfeilerreihen erhebt sich eine fünfgeschossige Holzkonstruk-tion mit regelmäßigem Stützenraster. Sämtliche Stockwerke besitzen Holzbalkendecken. Die Außenwände des Erdgeschosses sind in Ziegel mit Klinkerfassade ausgeführt. Zwischen dem nördlichen und dem südlichen Gebäudeteil liegt ein Treppenhauskern mit Aufzugsanlage.

Das Lagerhaus auf dem Firmengelände des Fagus-Werkes ist im Besitz der Fagus-GreCon Greten GmbH & Co KG und wurde im Juni 2011 als Teil des UNESCO Weltkulturerbes eingetragen.

Die vorhandene Queraussteifung war nicht in der Lage, die Horizontalkräfte bei für das Gebäude unschädlichen Verformungen abzutragen. Durch die fehlende Aussteifung hatte sich insbesondere die Westseite im nördlichen Gebäudeteil um bis zu 15 cm horizontal verschoben. Nachträglich eingesetzte Verspannungen behinderten die weiteren Verformungen nur gering.
Das Erdgeschoß des Altbaus war nur provisorisch ausgesteift. Die auskragenden Balkenstummel an den Schmalseiten über dem Erdgeschoß waren abgesackt. Die Unterzüge im Kellergeschoß zeigten über den Pfeilerauflagern größere Eindrückungen und Schäden durch pflanzliche Holzschädlinge. Von der Deckenbalkenlage waren einige Balken komplett abgängig, andere im Auflagerbereich stark geschädigt.

Die unzureichende Aussteifung und die Schäden und Mängel an der Konstruktion machten folgende Instandsetzungsarbeiten notwendig: In EG, 1. und 2.OG wurden zusätzliche Queraussteifungen aus Zugstabsystemen und vertikalen Holzbeilaschungen eingebaut. Der Anschluss an den Bestand erfolgte über Stahlformteile. Anschlüsse an bestehenden Verbänden wurden überarbeitet.

Die Längsverbände wurden in Holz ergänzt. Geschädigte Deckenbalken über KG und EG wurden durch Schlitzblechverbindungen repariert. Die Deckenbalken über KG wurden zurückgeschnitten und über eingeschlitzte Stahlprofile in der Wand aufgelagert. Die Unterzüge im KG wurden durch beigelaschte U- Profile verstärkt. Im EG Altbau wurde das bauzeitliche Unterzugsystem wiederhergestellt. Provisorische Abfangungen und Verbände wurden rückgebaut. Die Mauerwerkspfeiler im KG wurden repariert.

Zusätzlich wurden im KG aussteifende Wände mit Ringbalken eingebaut und über Vernadelungen an Pfeiler und Außenwände angeschlossen. Bestehende Stützenbeilaschungen im EG wurden auf Stahlfüße umgelastet. Durch Aufdopplung der Beplankung mit Sperrholzplatten wurde die Nordfassade zur Aufnahme der Horizontalkräfte versteift. Die auskragenden Balkenstummel über EG an der Nordseite wurde durch Ausbildung eines Trägerrostes verstärkt. Die Auflagerbalken der Längsfassaden Altbau wurden durch Stahlprofile ausgesteift. Die Fassadenplatten an den Längsfassaden Altbau wurden durch Rispenbänder gekoppelt. Während der Bauzeit waren bereichsweise bauprovisorische Aussteifungen und Abfangungen erforderlich.

Beteiligte:

  • Objektplanung (Entwurf): Büro Köhnemann, Hamburg
  • Bauleitung: Ingenieurbüro Alpert, Freden/ Leine
  • Denkmalpflege: Bezirksregierung Hannover, Herr Pagel
  • Tragwerksplanung 1. Bauabschnitt: Büro Götz & Ilsemann, Hildesheim
  • Tragwerksplanung 2. Bauabschnitt: Büro Bergmann GmbH

Das Büro Bergmann führte im 2. Bauabschnitt folgende Leistungen aus:

  • Bestandserfassung und Beurteilung der Stabilität
  • Definition notwendiger Maßnahmen zur Aussteifung des Bauwerks
  • Aufstellen eines Maßnahmenkatalogs mit Kostenberechnung
  • Tragwerksplanung

Die Bauausführung des zweiten Bauabschnitts erfolgte zwischen Mai und Dezember 2001. Vorab wurden im 1. Bauabschnitt die Fachwerkfassaden instand gesetzt.

Foto: unbekannt
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