Gebäude Imhofstraße 9 in Schwäbisch Gmünd

Das Gebäude Imhofstraße 9 in Schwäbisch Gmünd wird in der Überlieferung als  Synagoge oder Judenschule bezeichnet und liegt im ehemaligen Judenviertel im südöstlichen Teil der Altstadt. Vom 1288 errichteten Ursprungsbau haben sich wesentliche Teile der Umfassungsmauern sowie des Dachwerks erhalten. Das Gebäude bildet ein hochrangiges Baudenkmal.

Es soll künftig als Ausstellungs- und Dokumentationszentrum, sowie für kulturelle Veranstaltungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Im Zuge der Remstal Gartenschau 2019 (10.5. – 20.10.2019) wurde das denkmalgeschützte Gebäude Imhofstraße 9 in Schwäbisch Gmünd im derzeitigen „offengelegten“ Vorsanierungszustand gezeigt.

Hierfür wurde neben dem bereits bestehenden Kellerabgang ein Zugang über eine Außentreppe geschaffen und eine die Bausubstanz nur in geringem Maße berührende „Aussichts“-Plattform im Erdgeschoss des Gebäudes eingestellt. Einzelne Bereiche wurden durch Beleuchtung hervorgehoben und durch Personal und Präsentationen erläutert.

Wann die Instandsetzungsmaßnahmen durchgeführt werden können, steht noch nicht fest. In der Zwischenzeit wurden Maßnahmen zur Notsicherung durchgeführt, um die Tragreserven der Konstruktion bis zur Instandsetzung zu erhöhen.

Das Gebäude liegt am östlichen Ende einer Häuserzeile in der Imhofstraße in leichter Hanglage am höchsten Punkt der stauferzeitlichen Stadtanlage. Die westliche Außenmauer dient als Kommunwand zum Nachbargebäude.

Über einem schiefwinkligen Grundriss von etwa 12,1 bis 12,9 m Länge und 10,1 bis 10,6 m Breite erhebt sich der Bau mit nach Norden ausgerichtetetem Walmdach. Über einem tonnengewölbten Keller sind drei Stockwerke mit Balkendecken vorhanden.

An der Nordseite befindet sich ein Vorbau mit dem außenliegenden Kellerabgang und einem weiteren kleinen Kellerraum, einem vom Erdgeschoss erreichbaren Wohnraum und einer darüberliegenden Dachterrasse. Südseitig sind dem Gebäude WC-Anbauten und Zugänge angefügt.

Die Gesamthöhe von der Kellersohle bis zum First beträgt ca. 22,2 m.

Im Kellergeschoss wurden in den Umfassungswänden großformatige Quader verbaut. Die Wände sitzen direkt auf dem Sandsteinfelsen auf. Vor ihnen verläuft eine Entwässerungsrinne mit Ablauf in der Nordwestecke. Das Tonnengewölbe aus Bruchsteinmauerwerk wurde nachträglich eingefügt.

Das Mauerwerk der Ostwand ist stellenweise völlig zerrüttet. Die Mauerschalen haben sich voneinander gelöst. In der inneren Mauerschale sind breite Risse und Ausbrüche entstanden. Teils sind die Quader aufgespalten.

Das Gebäude wurde seit dem 13. Jahrhundert immer wieder umgestaltet und umgebaut.

Um 1418 datiert der Einbau einer Stube mit Balken-Bohlendecke im nordöstlichen Eck des Obergeschosses sowie möglicherweise hiermit verbunden der Einbau eines Unterzug-Stützensystems im Erdgeschoss. Im frühen 17. Jahrhundert führten vermutlich große Schiefstellungen des Dachwerks nach Süden zum Einbau zweier Stuhlachsen und um 1702 zum teilweisen Ersatz der südlichen und westlichen Umfassungsmauer durch eine Fachwerkkonstruktion. In der Südwestecke wurde ein barockes Treppenhaus eingebaut.

Weitere Bauarbeiten folgten bis zur letzten umfassenden Außenrenovierung im Jahr 1965. Das Walmdach und die heutige Befensterung im 1. und 2. Obergeschoss stammen im Wesentlichen aus dem Jahr 1788. Der Vorbau über dem Kellerhals wurde um 1900 zur Terrasse aufgestockt.

Das Dachwerk von 1288 ist als Sparrendach mit ca. 56° Neigung konstruiert. Die Höhe des Dachstuhls von ca. 7 m wird durch eine Kehlbalkenlage und eine knapp unter dem First angeordnete Hahnenbalkenlage unterteilt. Alle Holzverbindungen sind als Überblattungen gearbeitet. Das nördliche Drittel des Dachwerks wurde 1788 nach Abtragung der Giebelwand als Walmkonstruktion erneuert.

An einigen tragenden Dachbauteilen sind schwere Holzschäden eingetreten. Durch Umlastungen werden die nachträglich eingefügten Stuhlachsen hoch belastet.

Bei einer Instandsetzung sollen die vorhandenen Tragsysteme überwiegend beibehalten und repariert oder ertüchtigt werden. Um weitere Substanzverluste am bauzeitlichen Dachwerk und der Balken-Bohlendecke über dem Erdgeschoss zu vermeiden, sind hier subsidäre Tragsysteme geplant.

Im Rahmen der statisch-konstruktiven Voruntersuchung wurden störende neue Einbauten rückgebaut und von den Geschossdecken große Mengen Schutt entfernt. So wurden die bestehenden Konstruktionen teilentlastet.

Folgende weitere Sicherungsmaßnahmen wurden ausgeführt:

  • Verklammerung Mauerschalen Ostwand im EG und 1. OG
  • Rückankerung Südwand mit 2 Verspannungen zur Nordwand
  • horizontale Aussteifung der Fensterlaibungen
  • Abstützung Decke über EG
  • Unterstützung und Rückhängung fehlender Gespärreauflager
  • Ergänzung Windrispen im Dachwerk

Zusätzlich zur statischen Sicherung wurden auch restauratorische Untersuchungen und Arbeiten durchgeführt, um die Bausubstanz bis zum Beginn der Instandsetzung des Gebäudes zu sichern.

 

Beteiligte:

  • Bauherr: Stiftung Heiligenbruck, Stadt Schwäbisch Gmünd
  • Denkmalpflege: Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart
  • Tragwerksplanung: Büro Bergmann GmbH
  • Bauforschung: Götz Echtenacher, Stefan King, Burghard Lohrum
  • Restauratorin: Cornelia Stegmaier

Das Büro Bergmann führte folgende Leistungen aus:

  • Statisch-konstruktive Voruntersuchung
  • Tragwerksplanung Sicherungsmaßnahmen
  • Bauleitung Sicherungsmaßnahmen