Der Platz hinter dem Haus der Begegnung in Pfaffenhofen

Mit Hilfe eines großen Krans wurde ein wichtiger Teil des Denkmals für die Opfer des Nationalsozialismus in Pfaffenhofen an der Ilm auf den Platz neben dem Haus der Begegnung montiert: der über 18 Meter lange Stahlträger, der zusammen mit Fototafeln an der Fassade des Gebäudes an die NS-Zeit erinnert. Das Denkmal wurde vom Ingolstädter Künstler Thomas Neumaier entworfen.

Kennen Sie den Apfelpfarrer?

Korbinian Aigner war Pfarrer in Sittenbach bei Odelzhausen und Hohenbercha. Er nahm seit 1923 in seinen Predigten Stellung gegen den Nationalsozialismus und weigerte sich, die Hakenkreuzfahne zu setzen.

Das Foto von Theo George, das Korbinian Aigner am 15. Mai auf der Dorfstraße zeigt, ist das Hauptmotiv des Denkmals für die Opfer des Nationalsozialismus in Pfaffenhofen, das vom Ingolstädter Künstler Thomas Neumaier entworfen wurde.

Nach seiner Denunzierung wurde Korbinian Aigner 1940 verhaftet und nach sieben Monaten Gefängnis in Stadelheim über das KZ Sachsenhausen in das KZ Dachau verbracht. Er pflanzte zwischen den Baracken heimlich Apfelsämlinge. 1945 gelingt ihm beim “Todesmarsch”, auf den die Häftlinge kurz vor Kriegsende nach Tirol geschickt wurden, die Flucht. Nach dem Krieg kehrt er wieder als Seelsorger nach Hohenbercha zurück.

Zwischen 1912 und 1960 zeichnete Korbinian Aigner an die 1000 Aquarelle von Apfel- und Birnensorten. Der bis heute gezüchtete „KZ-3”-Apfel wurde 1985 zum 100. Geburtstag Aigners „Korbiniansapfel” getauft.

(Quelle: Pfaffenhofen unterm Hakenkreuz, Reinhard Haiplik )

Der Künstler Thomas Neumaier war in einem Wettbewerb ausgewählt worden und schuf im bislang eher städtebaulich vernachlässigten Bereich neben dem Haus der Begegnung einen Platz, der sowohl das Gedenken an die Opfer ermöglicht, aber auch die Erinnerung an die Täter aus den Reihen der Bevölkerung wach hält.

Das Kunstwerk schließt den gesamten Platz mit ein: Die Gestaltung mit der zentralen Fläche aus 1,20 x 1,20 Meter großen sandfarbenen Betonplatten und ihrer anthrazitfarbenen Umrahmung, der Bank und dem weithin sichtbaren roten Stahlträger, der sich durch die Fassade des Hauses der Begegnung bohrt und auf die großen Fototafeln aufmerksam macht, hat aus dem ehemaligen Hinterhof einen Anziehungspunkt in zentraler Lage geschaffen, der zum Ausruhen und Besinnen einlädt.

Das Denkmal wurde am Freitag, den 26. September 2014 im Rahmen einer Feierstunde den Bürgern der Stadt Pfaffenhofen übergeben.

Foto 1, Foto 2, Foto 3

Beteiligte:

  • Bauherr: Stadt Pfaffenhofen a. d. Ilm
  • Projektverwaltung: Stadt Pfaffenhofen, Bauamt
  • Künstler: Thomas Neumaier, Ingolstadt
  • Objektplanung: Büro Bergmann GmbH
  • Tragwerksplanung: Büro Bergmann GmbH
  • Beratung und Planung Elektro: VE plan GmbH, Pfaffenhofen
  • SiGe-Planung: Ursula Seidel, Eching

Das Büro Bergmann führte folgende Leistungen aus:

  • Geodätisches Aufmaß
  • Objektplanung
  • Tragwerksplanung

 

Foto: Hist. Archiv TU München